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Documenta 12


Wir haben die Gründungsmitglieder von Latourex - dem Versuchsraum für experimentellen Tourismus - Maïa und Joel Henry gebeten, für uns die neue documenta zu erkunden. Entdecken Sie die documenta und Kassel aus einem anderen Blickwinkel! Die zwölfte Ausgabe der documenta steht ganz im Zeichen der Experimentierfreude und öffnet sich der Stadt als ?Spielfeld der Möglichkeiten?. Das fordert zum experimentellen Tourismus geradezu heraus! Daher haben wir beschlossen, die documenta 12 nach den Regeln des Dodekatourismus zu entdecken. Es handelt sich um eine Form des Reisens, bei der sich alles um die Zahl 12 dreht.


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Name des Autors : Joël Henry

Beschreibung : Joël Henry ist Gründungsmitglieder von Latourex - dem Versuchsraum für experimentellen Tourismus. De...

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Windstärke 12 auf der Beaufort-Skala

Der Wind hat sich auf der documenta als Bilderstürmer betätigt und sich ausgerechnet ein Werk von Ai Weiwei ausgesucht, das diese zusätzliche Publicity eigentlich gar nicht nötig hatte. „Template“, eine zwölf Meter hohe Skulptur in der Orangerie nahe dem Auepavillon, stürzte in wenigen Sekunden zusammen. Die Elemente der Installation - Tür- und Fensterrahmen aus der Zeit der Ming- und Qing-Dynastien - stammen aus antiken Pekinger Häusern, die dem Bauboom in der chinesischen Hauptstadt zum Opfer gefallen waren. Von dem monumentalen Werk bleibt nur ein Trümmerhaufen. Und das Kasseler Unwetter soll das letzte Wort behalten: Der Künstler beugt sich dem Willen der Natur und hat beschlossen, „Template“ nicht wieder aufzubauen. 

 


Verfasst von Joël Henry | Dodekatourismus | Kommentare (1) | | +

Am 26/06/2007 um 15:28

Der zwölfte Künstler auf der Liste

An allen Ausstellungsorten der documenta werden Faltblätter mit einem Plan der Räumlichkeiten und der Liste der ausstellenden Künstler verteilt. Wir wollen uns den zwölften Künstler auf jeder dieser Listen genauer ansehen – eine zufällige Stichprobe aus der von Roger M. Buergel getroffenen Auswahl.

An drei Orten funktioniert diese Methode nicht: Im Kulturzentrum Schlachthof werden nur zwei, in der documenta-Halle zehn Künstler ausgestellt. Der dritte Ort ist das Restaurant „El Bulli“ in Spanien. Ferran Adrià, der dynamische Chefkoch des Hauses, hat es geschafft, sein Etablissement zur „offiziellen documenta-Außenstelle“ erklären zu lassen und sich so die Fahrt nach Kassel zu sparen. Daher werden wir Ferran Adrià leider nicht näher kennen lernen. Es sei denn, wir gehören zu den 50 Glücklichen, die diesen Sommer unter den Journalisten, Künstlern und Besuchern ausgewählt und zu einem Abendessen im El Bulli eingeladen werden. Die Auswahl erfolgt, wie Roger M. Buergel betont, „nach dem bewährten Modell der kuratorischen Willkür“. Aber vielleicht nützt es ja was, ihm eine besonders rührende E-Mail zu schicken ...   www.fridericianum-kassel.de


Im Fridericianum finden wir endlich eine Nummer 12! Poul Gernes, in den 60-er Jahren Mitbegründer der „Eks-Skolen“, einer experimentellen dänischen Kunstschule. Das ausgestellte Werk, „Stripes Series Paintings“, stammt aus dieser Zeit. Es handelt sich um eine vierzehnteilige Gemäldereihe, d.h., eigentlich sind es nur sieben Bilder, die aber von beiden Seiten bemalt sind: naiv-kitschige und herrlich  freche Vorschläge für eine Fahne der Europäischen Gemeinschaft.


In der Neuen Galerie ist die Zwölfte auf der Liste die junge chinesische Künstlerin Xu Xiaoyan. Ihr Werk besteht aus drei großen Tüllvorhängen, in deren Falten sie Gegenstände des täglichen Gebrauchs eingenäht hat. Auf subtile Weise wird dadurch die Geschichte ihrer Familie heraufbeschworen.  


In Schloss Wilhelmshöhe ist die Nummer zwölf die polnische Fotografin Zofia Kulik. Auf dem gezeigten Werk ist sie von einer Schar nackter Männer umgeben. Dieses fantastische Selbstporträt, eine Fotomontage in Schwarz-Weiß, trägt den Titel „The Splendour of Myself“. Und es hängt zwischen nichts Geringerem als zwei Rembrandts! 


Die zwölfte Künstlerin im Auepavillon ist die Amerikanerin Alice Creischer. Sie lebt in Berlin, wo sie als Künstlerin, Kuratorin und Autorin tätig ist. Auf der documenta stellt sie eine komplexe Installation aus Gemälden, Collagen, Texten, Objekten und Tönen vor. Der Titel des Werks: „Mach doch heute Lobby“. Zu den Elementen des Werks gehört auch ein Stuhl mit einer Nummer darauf. Welche Nummer das wohl ist? Zwölfmal dürfen Sie raten!
 


Verfasst von Joël Henry | Dodekatourismus | Kommentare (0) | | +

Am 26/06/2007 um 15:27

12 ° Reaumur

Eines Morgens um 10 Uhr im Park Wilhelmshöhe, der bereits von documenta-Besuchern wimmelt. Auf einer Bank sitzt eine junge Frau und schreibt, ganz in ihr Tun versunken. Neben ihr steht ein eigentümliches wissenschaftliches Gerät. Vielleicht ein Seismograph. Eine sonderbare Performance. Einige Menschen kommen näher. Schon sind mehrere Camcorder auf die junge Frau gerichtet, als sie plötzlich merkt, was los ist, aufblickt und lacht. „Das ist keine Kunst.“ Ach so. Aber wenn das keine Kunst ist, was ist es dann? Es sind Temperaturmessungen für eine klimatologische Untersuchung.

 


Verfasst von Joël Henry | Dodekatourismus | Kommentare (1) | | +

Am 22/06/2007 um 10:40

12 Minuten Entspannung

Wie alle großen Kunstveranstaltungen bedeutet auch die documenta stundenlanges Stehen und kilometerweites Laufen durch die Ausstellungen, was ganz schön anstrengend ist. Noch dazu droht dem Besucher das Stendhal-Syndrom, eine psychosomatische Störung, die bei manchen Menschen Herzrasen, Schwindel oder sogar Halluzinationen auslöst, wenn sie zu viele Meisterwerke zu sehen bekommen. Um solchen Problemen vorzubeugen, wird an einem kleinen Stand in der Orangerie unweit des Auepavillons für ein paar Euro eine Entspannungs-Schnellkur angeboten: eine computergesteuerte Shiatsu-Massage. Der Massagesessel, der wie ein von Eames neu gestylter elektrischer Stuhl aussieht, krault einem automatisch die ganze Rückfront, von den Unterschenkeln bis zu den Halswirbeln. Unterdessen bombardiert eine Spezialbrille die Netzhaut mit kleinen roten Lichtblitzen, die recht angenehme psychedelische Visionen auslösen. Die Ohren werden mit leiser Fahrstuhlmusik berieselt, und dazu spricht eine hypnotische Stimme beruhigende Worte, leider nur auf Deutsch.  

 


Verfasst von Joël Henry | Dodekatourismus | Kommentare (0) | | +

Am 22/06/2007 um 10:39

Das Lieblingswerk des zwölften Besuchers

Man postiere sich an der Tür der Neuen Galerie, zähle die herausgehenden Besucher, frage den zwölften nach seinem Lieblingswerk und schaue sich dieses genauer an. Unser zwölfter Besucher ist eine Besucherin, eine reizende, redselige kleine Oma aus Kassel, die gekommen ist, weil sie nebenan wohnt. Sie nennt ohne langes Zögern eine Zeichnung von Annie Pootoogook, auf der ein Pärchen eng umschlungen im Bett liegt und im Fernsehen einen Pornofilm schaut. Und warum bitte gerade dieses Bild?  „Ich finde das Bild sehr ausdrucksstark, es ist komisch und entsetzlich zugleich.“ Das müssen wir uns ansehen!
Annie Pootoogook stammt aus einer Familie von Inuit-Künstlern. Ihre Eltern und Großeltern zeichneten Szenen aus dem Leben im Hohen Norden. Sie tritt in ihre Fußstapfen, bricht aber völlig mit der traditionellen, volkstümlichen Bilderwelt – Iglus, Eisbären und Robbenjagd im Kajak – und stellt mit beißendem Humor den heutigen Alltag der Inuit dar. Das Leben in einer Sozialwohnung in der Arktis.


Verfasst von Joël Henry | Dodekatourismus | Kommentare (0) | | +

Am 22/06/2007 um 10:33

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