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Tag und Nacht auf crime mit Tobias Gohlis


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Beschreibung : Tobias Gohlis ist Initiator der KrimiWelt-Bestenliste. Seit 2001 schreibt der Literaturkritiker die ...

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Sprachklippen der Klappentexte



Bei der Durchsicht der Frühjahrsverlagsprogramme werden nicht nur die neuesten Trendgebiete kenntlich: Vampir-Fantasy-Russland-Südafrika (und ewig killt der Serienkiller). Auch die Tücken der deutschen Werbesprache. Einige Fundstücke:

 Aus dem Reisebüro:

„Mehrere rätselhafte in alte mallorquinische Stoffe gewickelte Funde bedrohen die Idylle der Baleareninsel.“ (Piper: Mallorquinisches Blut)

 Allgeliebte Alliteration:

„Bei seinen Nachforschungen stößt der Ex-Journalist Joe Donovan auf die Spur eines rätselhaften Ritualmörders.“ (Knaur: Bis ins Mark)

 Geschickte Täuschung:

Barry Eisler war drei Jahre lang in einer verdeckten Position für die CIA tätig. Unter anderem arbeitete er auch in Japan, wo er im berühmten Kodokan International Judo Center in Tokio den Schwarzen Gürtel erwarb.“ (Fischer: Letzte Vergeltung).
Zwei Sätze – kein Zusammenhang. Barry Eisler war nicht als CIA-Agent, sondern als Anwalt in Japan – unter anderem.

 Tierisches Model:

„Riley Jenson ist eine zum Niederknien schöne Werwölfin, mit einem Hauch Vampirblut in den Adern..“ (Blanvalet: Wächterin des Mondes)

 

Verfasst von Tobias Gohlis | diary | Kommentare (0) | | +

Am 07/02/2010 um 17:11

Proteste aus Medwedjews Sonderpolizei Omon

Wie die FAZ am 2. Februar berichtet, haben zehn Polizisten einer Moskauer Einheit der Sondereinsatzpolizei Omon gegen das Regime protestiert, dem sie unterworfen sind. Solange ihre Chefs den vorgegebenen Verhaftungsnormen (es ist von 40.000/Jahr die Rede) und befohlenen Unterdrückungsaktionen gegen demokratische Russen Folge leisten, dürfen sie ihre Untergebenen auch zu privaten Verbrechen einsetzen. Das ist die Quintessenz eines Briefes, der an Medwedjew, den Generalstaatsanwalt, die Polizeiführung und das Innenministerium geschickt wurde. Antwort: bisher keine. Öffentliche Reaktion: Falls es solche Fälle gäbe, würden sie sofort bestraft, aber so was sei ja undenkbar. gemeint ist der Einsatz der Polizeisondertruppe als Organ der Organisierten Kriminalität. Auslöser des Briefes war die Weigerung der Polizisten, sich im Interesse einer Unternehmergruppe zum Terror gegen eine andere einsetzen zu lassen. Das nenne ich Zivilcourage.
Der letzte Omon-Kritiker aus den eigenen Reihen, ein Milizmajor Dymowskij aus Noworossijsk, wurde wegen angeblicher Unterschlagung festgenommen. Er hatte in zwei Videos die interne Korruption angeprangert.

 

Verfasst von Tobias Gohlis | true crime | Kommentare (0) | | +

Am 02/02/2010 um 20:22

Aus der Jury II: Deutscher Krimipreis und KrimiWelt-Bestenliste 2009

Ich hab's nicht nachgezählt, wieviele Juroren der KrimiWelt-Bestenliste auch in der Jury für den Deutschen Krimipreis sind. Transparency International ist informiert.

Immerhin ging die Abstimmungsaffinität so weit, dass ein Doppelmitglied im Votenrausch auch bei uns nur 3 statt der geforderten 4 Lieblingstitel nannte - 3 sind beim Deutschen Krimipreis gefragt.

Ulrich Ritzel ist es zu gönnen: Ihm verdanke ich unter anderem die in der Stichwahl zu Stuttgart gewonnene Einsicht, dass ein Krimi ein Wirtschaftskrimi ist, wenn er in einer Wirtschaft spielt. In Beifang, ausgezeichnet als bester Wirtschaftskrimi in Stuttgart und als bester "nationaler" beim Deutschen Krimipreis, gibt es eine wunderbare Kneipenszene, in der eines der Hauptschweine - ich glaube sogar beim Schweinebraten - entlarvt wird. Gratuliere.  Ein wirklich tolles Buch.

In der KrimiWelt-Jury ist inzwischen auch die Entscheidung gefallen. Veröffentlicht wird die KrimiWelt-Jahresbestenliste 2009 bei Arte und am 22. Januar im NordwestRadio in der Sendung "Literaturforum" um 13.05, das diesmal ein Krimiforum ist. Lore Kleinert diskutiert da mit  Birthe Baraschewski, Jutta Günther und mir. Auch über Jussi Adler-Olsens Erbarmen, das ganz so bombastisch gespreizt nicht weiterging, wie es anfing. Sondern arg unter Druck.

Verfasst von Tobias Gohlis | diary | Kommentare (3) | | +

Am 19/01/2010 um 20:06

crime sells

Um 21 und ein paar zerquetschte Prozent ist der Umsatz an Spannungsliteratur im letzten Jahr gegenüber 2008 gestiegen. Nur Comics liefen noch besser, vielleicht weil Dauerbeglücker Hirschhausen unter diese Rubrik fällt.

 

Damit hat der Krimisektor zum ersten Mal knapp ein Drittel, genau: 28% des Bellestristikjahresumsatzes erzielt. Was nicht heißt, das jeder Dritte Krimis liest. Vermutlich sind es weit mehr. Denn Krimis werden weitergegeben, Goethes Werke eher nicht. Kann man das als Anstieg der leisen Panik im Land werten?

 

Hier die Statistiktorte der GFK, die diese für den Börsenverein im "Börsenmonitor Buch Januar 2010" erarbeitet hat:

 


Verfasst von Tobias Gohlis | true crime | Kommentare (0) | | +

Am 13/01/2010 um 16:43

Angelesen: Adler-Olsens Erbarmen

Welche Bücher sollte man beiseite legen?

"Regionalkrimis" sofort, es sei denn, sie sind aus Hamburg-Rahlstedt, Leipzig oder sie seien ausnahmsweise gut. Was sie per se eigentlich nicht sein können.

Verdächtig des Leseenergie-Missbrauchs sind weiterhin  alle Krimis, die deutlich auf Genre oder gar Subgenre machen. Die Erfahrung lehrt, dass viele Autoren zu doof sind, um dem Genre gewachsen zu sein. Sie glauben in holder Unkenntnis, Genre sei einfach. Das Gegenteil ist der Fall. 

Und dann noch die Krimis, die voller Wischi-Waschi stecken. Zum Beispiel Jussi Adler-Olsens Erbarmen. Da stolpere ich auf der vierten Seite über genau den Schwachsinn, den man in Grimmis (danke, Thomas Wörtche, für den Begriff!) erwartet. So heißt es über den Kommissar, der vor einiger Zeit einen Streifschuss abbekommen hat: "Vom Tod wusste er nicht viel. Nur, dass er so unvorhersehbar war wie ein Blitzschlag. Und unendlich still, wenn er eingetreten war." Trefflich. Woher weiß er das? Ich weiß nicht viel vom Leben. Nur dass es so unvorhersehbar ist wie ein Blitzschlag. Und wenn es endet, vermute ich, dass dann Ruhe herrscht. Aber da weiß Carl Mörck mehr.

"Aber wie gewalttätig Sterben sein konnte und wie sinnlos, darüber wusste er alles." Im folgenden lesen wir, dass er dabei war, als zwei Kollegen erschossen wurden. Über das Sterben im Hospiz, am Kreuz, im KZ, im Krieg und im Schlaf weiß er deshalb auch alles.

Geschwätz, Floskelei statt klarer Sprache.

Dann im nächsten Absatz: Falsches Tempus.

Warum ich das weiter lese?
Weil ich in einer Woche mit drei Damen über vier Krimis diskutieren soll, und dieser ist nun mal dabei.

 

 

 

Verfasst von Tobias Gohlis | fiction | Kommentare (2) | | +

Am 13/01/2010 um 15:27

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