Dominique Manottis "Roter Glamour" ist der beste Krimi des Jahres 2011
Soeben ist die erste Top-Ten-Auswahl des Jahres online gegangen: die KrimiZEIT-Bestenliste 2011.
Mit
Dominique Manotti steht eine bisher kaum bekannte Autorin an erster Stelle. Seit ihrem Debüt 1995 ist das zentrale Thema Manottis der Ursprung des Verbrechens aus der sozialen Struktur.
Roter Glamour ist – auf Deutsch erschienen im Jahr der Offenbarwerdung des Strauss-Kahn – eine nüchterne Abrechnung mit den Herrschaftspraktiken der sogenannten französischen Elite, die sogenannte linke Abteilung inklusive.
Manotti steht in einer Tradition, die hierzulande leider nie diese kalte, scharfe Wucht bekommen hat wie in Frankreich: der des sozialkritischen Kriminalromans. Der deutsche Soziokrimi war im Vergleich zu den Franzosen immer zu brav, zu kleinteilig, zu herrschaftsfromm und vor allem zu moralisierend. Bei Manotti gibt es keine Klage, keine Anklage, da wird berichtet, was ist. Die Wut hat Gestalt angenommen.
Sie ist einfach nur eine Auswahl und Hommage an exquisite Kriminalliteratur.
Lesen Sie selbst! Hier mit allen Rezensionen. Und hier können Sie einen Kommentar des Jurysprechers hören.
Verfasst von Tobias Gohlis | fiction | Kommentare (0) |
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Am 29/12/2011 um 14:41
Ein kluge Jägerin and a good read
Aufräumen!
Schon vor Wochen haben wir über Melanie McGrath geredet. Die englisch-kanadische Reporterin hat einen klugen, menschenfreundlichen Krimi geschrieben, in dem eine Inuit-Jägerin ermittelt. Tatort: die nördlichste Siedlung der Welt in Ellesmere Island. Klug, weil ohne den Thriller- und den Sozialkitsch, mit dem ein Hoeg seine Fräulein Smilla ausstattete. Eine frostklare Sache: eine Frau, die sich auskennt, und doch auf Distanz gehen kann.
Zweimal im Jahr treffen wir uns zum Krimiplausch im
Nordwestradio, Jutta Günther, Lore Kleinert, Hendrik Werner und ich.
So haben wir über
Melanie McGrath' IM EIS geredet. Jetzt hab ich den Link wiedergefunden: eine rundum saubere Leseempfehlung.
Verfasst von Tobias Gohlis | fiction | Kommentare (0) |
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Am 21/11/2011 um 19:30
Österreich: Kriminalschriftsteller Alfred Komarek mit Toleranz-Preis ausgezeichnet
"Ein wenig ist der Preis vergleichbar mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels," erklärt Alfred Komarek in Hamburg am Vorabend des 11.11.2011, bei aller Bescheidenheit nicht ohne Stolz. "Morgen muss ich um 11 in Wien sein." Da bekommt der Erfinder des Landgendarmen Simon Polt den Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels. Ausgezeichnet werden "Toleranz in Denken und Handeln". Aus der Begründung der Jury: „Alfred Komareks Kriminalromane sind immer auch als Plädoyers für Toleranz und Menschlichkeit im Umgang mit Justiz und Verbrechen zu verstehen – nicht in dem Sinn, dass Komarek Verbrechen beschönigen oder gar gutheißen würde, aber insofern, als er nachdrücklich darauf hinweist, dass eine eindimensionale, bloß am Buchstaben des Gesetzes ausgerichtete Sichtweise auf das Verbrechen nicht ausreichend ist, um die menschliche Dimension beider Seiten zu erfassen.“, begründet die Jury die Wahl des diesjährigen Ehrenpreisträgers.
Eine glänzende Entscheidung. Komarek ist etwas Seltenes gelungen. In seinen Kriminalromanen um Simon Polt bringt er eine bemerkenswerte Landschaft, das Weinviertel, mit ihrer Geschichte, ihren Brüchen und ihren Menschen und Eigentümlichkeiten zur Sprache. Gratulation!
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Am 11/11/2011 um 11:39
Krimi-Spezial der ZEIT/Bestenliste November
Es gibt Tage, an denen man gespannter ist als an anderen Tagen. Heute ist so ein Tag.
Seit gefühlt vierzig Jahren hat es wieder einmal eine systemrelevante Zeitung (die ZEIT) gewagt, ein ganzes Magazin der Kriminalliteratur zu widmen. 56 Seiten über Krimis, nichts als Krimis - das heißt Diskussion, Debatte, Nachdenken. Also, Krimifans und Krimiverächter, schaut mal rein, geht an den Kiosk, das lohnt sich. Heute ist es rausgekommen. Wer weiß, ob es so ein Krimi-Spezial so schnell wieder geben wird. Ein kleine Frau aus Paris mit einem großen Buch führt den Reigen an, viel Feines, Entlegenes ist da zu finden. Entschieden: Der erweiterte Krimi-Begriff zeichnet sich ab.
Dazu passt die aktuelle KrimiZEIT-Bestenliste. Sieben neue Titel sind drauf, darunter, man staune, vier deutscher Sprache.
Ein spannender Tag, dieser 3. November.
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Am 03/11/2011 um 11:59
KrimiZEIT-Bestenliste/Norbert Horst und Kate Atkinson
Die KrimiZEIT-Bestenliste Oktober führt
Norbert Horst an, der Schriftsteller, der außen herum ein Beamter und Polizist ist. In der ZEIT habe ich ein paar Zeilen über diesen außergewöhnlichen Autor geschrieben,
hier kann man sie nachlesen.
Nach wie vor in der falschen Schublade („Familienthriller“, eine Schöpfung aus der Brigitte-Stube) wird die Schottin
Kate Atkinson einsortiert. Über die geistige Beschränktheit von Klappentexten etc. muss man sich nicht allzu sehr aufregen, über das softe Cover und die Schublade schon. Lore Kleinert, Jutta Günther, Hendrik Werner und ich haben im
Gespräch versucht, der besonderen Klasse dieser Autorin auf die Spur zu kommen.
Haben Sie schon einen Blick auf die tolle Website geworfen, die das
NordwestRadio der KrimiZEIT-Bestenliste widmet? Oder ein Ohr reingesteckt?
Die nächste KrimiZEIT-Bestenliste erscheint übrigens am 3. November in einem Literaturmagazin der ZEIT, das nur dem Krimi gewidmet ist.
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Am 05/10/2011 um 13:44