RubrikenClub Transmediale (10 Beitr.) transmediale 2008 (8 Beitr.) Aktuelle BeiträgeVexiermeister des Sounds ? Carsten Nicolai aka Alva Noto Der Schrecken aller Tonabnehmer ? Christian Marclay MedienArchivFebruar 2008 (4 Beitr.) Januar 2008 (14 Beitr.) LinksProfilClub Transmediale, Samstag 2. Februar, Maria am Ostbahnhof Mit Spannung wurde der Auftritt von Mouse On Mars am Abschlussabend des Club Transmediale 08 erwartet. Denn die beiden Elektroweirdos Andi Toma und Jan St. Werner sind unberechenbar, ob nun bezüglich ihres Sets oder ihrer aktuellen musikalischen Ausrichtung. Bereits seit den 90er Jahren wildert das Duo in diversen Bereichen der experimentellen elektronischen Musik und schafft solch eigenwillige Formen aus analogen und digitalen Sounds, so dass es schwer fällt, ihr Gesamtwerk einem bestimmten Musikgenre zuzuordnen. Stand ihr Debüt noch im Zeichen von verspielten Hawaii-Elektro-Melodien, stellen Nachfolgealben wie „Idiology“ selbst hartgesottene Freunde ihrer Musik auf eine Probe. Der Spannungsbogen des Albums reicht von Lagerfeueratmosphäre mit Gitarrenakkorden bis hin zu vertrackten Hardcorebeats mit verzerrtem Gesang. Hinter dem niedlichem Namen Mouse On Mars verbirgt sich eines der widerspenstigsten Bandprojekt der Elektromusik, das diesen Sonderstatus auch international behaupten kann. 2007 ging das Duo eine Kollaboration mit dem legendären The-Fall-Frontmann Mark E. Smith ein, gemeinsam haben sie das Trio „Von Südenfed“ aus der Taufe gehoben. Punk trifft Electro – so könnte man dieses Projekt, als auch das Gesamtwerk von Mouse On Mars am treffendsten umschreiben. Matthias Schneider www.mouseonmars.com
Verfasst von Kultur Digital | Club Transmediale | Kommentare (1) | Am 05/02/2008 um 16:29
Vexiermeister des Sounds ? Carsten Nicolai aka Alva Noto Alva Not, Club Transmediale, 1. Februar, Ballhaus Naunynstraße, Berlin
Als punktförmige Lichtkörper nimmt man Sterne am Himmel war. Es gibt sowohl Sterne die in Bewegung sind und sich dabei anziehen oder abstoßen, als auch Fixsterne, die Teil eines Sternbildes sind. Abgesehen von einem winzigen Lichtpunkt, der an einen Himmelsstern erinnert, ist die Leinwand gänzlich schwarz, als der Elektronikmusiker Carsten Nicolai aka Alva Noto die Bühne des Ballhaus Naunynstraße betritt. Im Verlauf des Sets vermehren und reduzieren sich die projizierten Lichtpunkte, und ändern ihre Positionen und Konstellationen entsprechend der computergenerierten Sounds. Vereinzelt bricht ein Sternenschauer über den Betrachter herein, punktuell pulsierend oder als dynamische, sich einander mitreißende Lichtwolke, die über die gesamte Projektionsfläche saust. Sowohl die räumliche Ausdehnung als auch die variierenden Dynamiken der Projektion sind grafische Reflektionen der Soundkonstruktionen Nicolais. Aus einzelnen Tönen oder gesampelten Melodien und Akkorden schöpft der in Berlin lebende Musiker seine atmosphärischen Klangwolken, die in ihren unheilschwangeren Momenten an Tonspuren von David Lynch Filmen erinnern. „Xerrox“ heißt das aktuelle Alva Noto Projekt, für das Nicolai größtenteils Muzak gesampelt hat, sogenannte Hintergrundmusik oder funktionelle Musik, wie man sie von Flughäfen, oder aus Hotels und Einkaufszentren kennt. Einzelne Elemente dieser allgegenwärtigen Musik löst Nicolai aus ihrem Kontext heraus und transferiert sie in ein neues Gefüge. Mit eigens dafür programmierter Software bearbeitet er die Samples und kann ihre Einzeltöne beliebig in Dauer und Frequenz manipulieren. Das Original als solches, ist nach diesem Arbeitsprozess nicht mehr erkennbar. Trotz dieser extremen Verfremdung strahlt Alva Notos Musik eine gewisse Form von Vertrautheit aus, die möglichenfalls auf die Ursprünge seiner Sounds zurückzuführen ist. Denn Muzak wird und soll als Musik nicht wahrgenommen werden, sie plätschert vor sich hin, meist nur von unserem Unterbewusstsein wahrgenommen. An diesem Punkt setzt Nicolais Xerrox-Projekt an. Es fördert Klänge zum Vorschein, die beim Hörer längst abgespeichert sind. Das klangliche Rauschen, in das Nicolai die Muzak-Melodien und Akkorde kleidet, ähnelt einem Filter, durch den sie zum Rezipienten dringen. Nicolai vollführt ein Vexierspiel des Sounds, das den Hörer durch eine sensible und akzentuierte Dramaturgie in seinen absoluten Bann zieht. Als Fixpunkte dienen einzig die dezent pulsierenden warmen Beats und der grafische Sternenschauer im Hintergrund. Ein letztes Aufleuchten des zentrierten Lichtkörpers kündigt schließlich auch das Ende von Alva Notos großartigem Set im Rahmen des Club Transmediale an.
Matthias Schneider >> Website von Alva Noto
Verfasst von Kultur Digital | Club Transmediale | Kommentare (0) | Am 05/02/2008 um 16:24
‚Moving Forest’ ist eine zwölfstündige Klangperformance in fünf Akten, die mit Wifi- undMobilfunktechnologie operiert. Angelehnt an Akira Kurosawas ‚Throne of Blood’, eine filmischeMacbeth-Interpretation, überträgt ‚Moving Forest’ die finale,12-minütige Sequenz des Films in eingross angelegtes,12-stündiges Klangereignis.‚Moving Forest’ bringt eine moderne Auflage eines im Mittelpunkt stehenden Schlosses und einerStadt in Aufruhr hervor - drinnen im Schloss der Niedergang der vermeintlichen Macht, draussendie aufgebrachten Stadtbewohner, die sich mit künstlich erzeugten Geräuschen des Aufruhrs aufdie imaginäre Mitte zu bewegen. In ‚Moving Forest’ arbeiten Klangkünstler daran, die einzelnenAkte und Themen zu erstellen.
Die Videos der Performance >> Akte 0 - "Omen" von Mattin >> Akte 2 - "Betrayal" von Kaffe Matthews >> Akte 3 - "Overthrow" von Joachim Montessuis >> Akte 5 - "Eternal Return" von Phil Niblock
Verfasst von Kultur Digital | transmediale 2008 | Kommentare (0) | Am 02/02/2008 um 17:05
Die 12-stündige Performance „Moving forest“ des dreißigköpfigen Künstlerkollektivs AKA The Castle unter Leitung von Shu Lea Cheang und Martin Howse, die der Duden-Definition des Begriffs „Verschwörung“ - „gemeinsame Planung eines Unternehmens gegen jemanden oder etwas, besonders gegen die staatliche Ordnung“ – ist voll gerecht. Sie findet heute statt. Verfolgen können sie sie auch online : Auf dem Foto: der künstler Ricardo Miranda Zúñiga war gestern am Batseln. Auf jede Holzwaffe ist ein Radio befestigt. Was er damit machen will...
Verfasst von Kultur Digital | transmediale 2008 | Kommentare (0) | Am 01/02/2008 um 13:02
Der Schrecken aller Tonabnehmer ? Christian Marclay Club Transmediale, Montag 28.01, Maria am Ostbahnhof Christian Marclay ist ein außergewöhnlicher DJ. Denn während seine Kollegen ihre Plattensammlung hegen und pflegen, und behutsam mit teuren Tonabnehmersystemen arbeiten, ist dies bei ihm nicht der Fall. Ohne Rücksicht auf Verluste, nutzt der amerikanisch-schweizerische Künstler Vinylplatten und sogar Plattenspieler als Ausgangsmaterial für seine Soundperformances. Marclay ist eher Musiker als DJ und hat aufgrund seines Improvisationssounds unter anderem mit John Zorn, Elliott Sharp, Otomo Yoshihide und Thurston Moore von Sonic Youth kollaboriert. In Marclays Plattenkisten finden sich Scheiben, die er größtenteils für wenig Geld auf dem Flohmarkt oder in Trödelläden gekauft hat, ob nun mit Heavy-Metal, Country oder bayerische Blasmusik. Vor seiner Klangintervention ist kein Musikgenre sicher, da es als solches ohnehin nicht erkennbar bleibt. Marclay behandelt den Klang der Schallplatten als „Objet Trouvé“, als vorgefundene Gegenstände, den er auf verschiedene Arten verfremdet und in einen neuen musikalischen Zusammenhang bringt. Die stufenlose Geschwindigkeitsregulierung seiner Plattenspieler erlaubt es ihm, die Tracks mit 78 Umdrehungen abzuspielen, so dass weder Melodie noch Rhythmus erkennbar sind. Bisweilen zerteilt er die Schallplatten und setzt ihre Vorder- und Rückseiten vertauscht, oder mehrere Einzelteile collagenartige neu zusammen. In den Augen, oder vielmehr Ohren eines audiophilen Hörers ist Marclay sicherlich ein Berserker. Doch im Grunde erinnert Marclays Soundgenerierung daran, wie heutzutage mit Samplern gearbeitet wird. Er zerlegt Aufnahmen in ihre Einzelteile und schöpft aus ihren Fragmenten, oder manipuliert sie mit Hilfe seines Plattenspielers. Dem Plattenspieler weist er eher die Rolle eines Instrumentes zu, mit dem er Sounds produziert und moduliert, oder ihn selbst als Klangkörper einsetzt. Dabei klopft er auf das Gehäuse und den Plattenteller, oder produziert Feedbacks, indem er ihn an Monitorlautsprecherboxen hält. Im Unterschied zum Sampeln, arbeitet Marclay analog, bei dem er nach dem Prinzip des Zufalls, nie die absolute Kontrolle hat.
Verfasst von Kultur Digital | Club Transmediale | Kommentare (0) | Am 31/01/2008 um 11:18
|



